Historisches aus Kühlungsborn: Brückenwärter in alten Zeiten

Von städtischen Nachtwärtern mag der Eine oder Andere schon manches Mal gehört haben. Wem aber wäre die Funktion eines „Brückenwärters“ noch geläufig?
Einen solchen gab es in unserem Seebad für geraume Zeit. Adolf Bestmann war sein Name, geboren am 1.03. 1893, ertrunken 63jährig am 10.10. 1956 während der Ausübung seines Fischerberufes.
Adolf Bestmann war für mehrere Jahre Brückenwärter in Brunshaupten. Diese Tatsache ist zwar ungewöhnlich, denn die Brückenwärter wurden in der Regel nur für ein Jahr beziehungsweise für einen Saison von der Gemeindeverwaltung eingesetzt. Zu den typischen Aufgaben gehörten unter anderem die Kassierung des Brückengeldes von ankommenden Gästen, die regelmäßig mit Schiffen und Booten landeten, das Hissen der Fahne, die periodische Kontrolle des Brückenzustandes, das Ausführen kleinerer Reparaturen und die Überwachung größerer Instandsetzungsmaßnahmen. Wichtig waren ebenfalls die Einlagerung des mobilen Brückenbelages im Herbst sowie das Wiederaufbringen im darauf folgenden Frühjahr, welches von unserem Verantwortlichen überwacht wurde. Sinnvoll war dieser Vorgang deshalb, da die Herbststürme und der winterliche Eisgang leicht zu einer missvergnüglichen Zerstörung des Holzmaterials führen konnten.

Wenn akute Gefahr im Bäderbetrieb drohte, war Adolf Bestmann insbesondere für das Zuwasserlassen des auf der Brücke befestigten Rettungsbootes zuständig sowie für das Einteilen der Bootsbesatzungen, die in der Saison fast ausschließlich aus ansässigen Fischern bestanden. Deutlich zu erkennen war die „Dienstkleidung“ des Brückenwärters. Sie hatte in der Regel aus einem grau-grünen Leinenanzug zu bestehen sowie der mit einem Schild „Brückenwärter“ versehenen Dienstmütze. Hinzu gesellten sich ein weißes Hemd und eine Krawatte.
Solcherlei Dienst war zu verrichten auf den Seebrücken in Brunshaupten sowie in Arendsee. Interessanterweise hatten die Bäderverwaltungen beider Orte beziehungsweise Ortsteile jeweils einen eigenen Wärter angestellt. So war in Arendsee Brückenwärter Schulz eingesetzt. Die Tätigkeit lässt sich zurückverfolgen bis ins Jahr 1939, wo sie offenbar endete und auch nach 1945 nicht mehr weitergeführt worden ist. Über die Höhe der Entlohnung ist allerdings heute nichts Genaueres mehr bekannt. Die biographischen Angaben zu Adolf Bestmann resultieren aus Unterhaltungen mit der Tochter Frau Waltraud Stiebler sowie teilweise Gesprächen mit älteren Einwohnern, die jene Jahre noch aus eigenem Erleben kennen.




     

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