Klassizismus, südliches Klima, Strandmöbel & Panzer - Ein Spaziergang durch Heiligendamm

Auch wenn die milden Landschaften Mecklenburg-Vorpommerns dem Urlaubsgast recht friedlich erscheinen – die ersten stürmischen Tage des Bäderlebens begannen genau hier. Der Name Heiligendamm geht auf eine alte Legende zurück, welcher zufolge nach einem Gebet der Zisterziensermönche von Doberan ein Damm aus Findlingen und Steinen aufgetürmt wurde. Er sollte als Schutz vor einer Sturmflut dienen. Seine eigentliche Herkunft ist allerdings das Moränengeröll der Eiszeit, wie Naturwissenschaftler meinen. Der Landesvater selbst, Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin, nahm 1793 in Heiligendamm ein Bad in der Ostsee, und an genau jener Stelle ordnete er auch die Gründung des ersten deutschen Seebades an.

„Man holt ein bißchen verlorene Gesundheit und verliert sein Herz…“
Georg Christoph Lichtenberg

Die heilende Wirkung des Seewassers, das natürliche Klima, besonders reine Luft, geringe Temperaturschwankungen sowie das umgebende Waldgebiet waren ganz besondere Vorzüge. Wie magisch angezogen verbrachten hier viele prominente Zeitgenossen und Vertreter des europäischen Hochadels ihre Sommerfrische. Ein von 1793-1870 geschaffenes Ensemble aus klassizistischen Bauten bot eine angemessene Logis. Neben der Familie des Großherzogs Friedrich Franz besuchte die russische Zarenfamilie Heiligendamm, ebenso Königin Luise, Lord Nelson, Blücher, Moltke, Fontane, Nietzsche, Rainer-Maria Rilke und Wilhelm von Humboldt. Im klassizistischen Landhaus „Perle“ feierte 1874 Maria Paulowna ihre Heirat mit dem Großfürsten Wladimir von Russland.

„Heic te Laetitia invitat post Balnea sanum“. Am Kurhaus, dem Grand Hotel und am Haus Mecklenburg ist heute immer noch sehr gut das Antikisierende, das Klassische und Südliche dieser Architektur zu sehen. Eine erste Seebrücke gab es ebenfalls: um 1860 als ein viereckig geschlossenes Pfahlbauwerk errichtet, das nur wenige Meter in die offene See führte und zum Wandeln diente.

Zum 50. Bestehen des Seebades Heiligendamm und zu Ehren des Gründers Friedrich Franz I. wurde 1843 ein Findling aufgestellt. Kurios war das Holzhäuschen, das zu Transportzwecken oben auf dem Stein montiert wurde. Ebenfalls besonders: verschiedene Versuche, den herzoglichen Findling von seinem Standort wieder zu vertreiben. Zwei russische Panzer des Typs T-34 brachten es nicht fertig - die Panzerketten rissen. Bei den Vorbereitungen zum G8-Gipfel 2007 dachten einige Journalisten laut darüber nach, dass man den riesigen Stein als Fotomotiv an den Strand holen könne. Doch es gab technisch immer noch keine Möglichkeit, das 220 Tonnen schwere Corpus Delicti abzutransportieren, ohne Beschädigungen im Gelände zu hinterlassen.
In einer Festwoche im Juni feierte die Stadt Bad Doberan-Heiligendamm in diesem Jahr die Gründung des 1. deutschen Seebads vor 220 Jahren und die Wiedereröffnung des Grand Hotel Heiligendamm vor 10 Jahren. Das Gebäudeensemble wurde 2003 als aufwändig saniertes Luxushotel wieder eröffnet und bietet das ganze Jahr über Sterneküche, einen exklusiven Wellnessbereich sowieKultur am Meer mit Lesungen & Konzerten. Gerade auch im Herbst ist Heiligendamm immer einen kleinen historischen Spaziergang wert.




     

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