/media/skyscrappermodule/4/logo_hofmarkt.jpg

„Destination of Desire“ - Im Gespräch mit Wolfgang Joop über Kunst, Vergänglichkeit & Sommer am Meer

Wie kam die Verbindung mit Rostock und der Kunsthalle zustande?

Ich habe einen befreundeten Galeristen, Rudi Lübke. Den traf ich vor einiger Zeit auf Hiddensee, und später rief ich ihn an als ich diese Arbeiten hier vollendet hatte. Er war der Ansicht, dass man dies nicht in einer Galerie zeigen kann, sondern ein Museum finden muss. Und so sind wir auf Rostock gekommen. Ulrich Ptak hat sich die Sachen angeguckt, es ging eigentlich nur um die Bilder „Eternal Love“. Dann entdeckte er meine Skulpturen, die ich eigentlich nie ausgestellt hatte. Dann hieß es: Die Kleider die hier hängen, gerade auch die unfertigen, an denen man den Entstehungsprozess entdeckt, das sind auch Kunstwerke, das sind wirklich textile Strukturen. Wir machen das ganze Museum leer und zeigen nur die Momentaufnahme Wolfgang Joop. Also keine Retrospektive, sondern eine Momentaufnahme. Diese Ausstellung sollte atmen, meinen Atem und den des Zeitgeistes. Und ich glaube das passt hier an die Ostsee, wo dieser frische Wind weht, auch besonders gut.

Der Titel Ihrer heute hier in Rostock eröffneten Ausstellung hat etwas Grundsätzliches, dass sich aber nicht sofort festlegen lässt. Welche Interpretation würden Sie bevorzugen?

Diese Ausstellung ist insgesamt etwas ganz anderes, als ich es bisher gemacht habe und auch von mir erwartet hatte zu tun. Ich habe ja Bildhauerei studiert, ich habe gezeichnet und gemalt. Ich hole praktisch zwischendurch Luft und gebe einer anderen Sache Ausdruck. Und gehe dann aber wieder zurück zur Mode. Während ich mich dem Zeitgeist auseinandersetze, habe ich immer mehr das Bedürfnis von diesen zarten Dingen, die vergänglich sind etwas festzuhalten, die Gedanken festzuhalten. Deswegen sind hier auch die vielen Gedanken von anderen und von mir an die Wand geschrieben, die mir etwas bedeuten und zu denen ich auch zurückkehren kann. Die Arbeiten von „Eternal Love“ haben mich selbst ein bisschen überrascht. Die handgestrickten Entwürfe haben so etwas Meditatives, Klösterliches. Mehrere Nonnen stickten an einem Tuch, das Jesus gewidmet war. Diese Ausstellung ist der Liebe und dem Traum von ewiger Liebe gewidmet.

An verschiedenen Plätzen der Ausstellung begegnen dem Besucher Engelsfiguren. Welche Bedeutung hat dieses Motiv in Ihrem künstlerischen Schaffen?

Ich glaube an die Existenz von Engeln. Sie haben mich hierher geführt, und sie haben mich mehrmals beschützt. Das kommt ganz einfach auch aus meiner Kindheit in den Nachkriegsjahren. Zu dieser Zeit wurde viel von Verlust gesprochen, und man hat Geschichten gehört von so vielen Menschen, die nicht wiederkamen, von Kindern die auf der Flucht zurück gelassen wurden. Das waren alles Engel, so wurde es mit jedenfalls erzählt. Und so glaube ich das auch. Ich habe erlebt, dass man Engel in bestimmten Situationen anrufen kann, und dass sie einen dann auch hören.

Haben Sie eine persönliche Verbindung zu diesem Landstrich am Meer?

Ja, ich habe Hiddensee entdeckt, von dem ich früher nur gehört hatte. Jetzt bin ich vor zwei, drei Jahren das erste Mal da gewesen. Die Ostseeküste ist wirklich sehr berührend. Auf dem Darß bin ich schon als Jugendlicher gewesen, zu Zeiten der DDR. Als Kind war die Ostsee für mich immer die Destination of Desire. Da wollte ich immer hin, und das sind wir auch hingefahren. Wir saßen in den Strandkörben und pulten uns im Sommer die Haut von den Schultern. So waren meine Sommer, das waren die Sommer an der Ostsee. Die Nordsee hab ich dann erst später kennen gelernt, als ich schon in Hamburg wohnte. Aber die Ostsee hat eigentlich für mich eine lieblichere Landschaft.

Sie wohnen ganz bestimmt auch in Potsdam nicht ohne Grund in der Nähe vom Wasser…

Ja, ich wohne in Potsdam direkt am Heiligen See und bin da schon dreimal geschwommen in diesem Jahr. Bei 15 Grad, und dann zum Schluss bei 18 Grad.

Sie haben ja ein fruchtbares Verhältnis zu vielen Künsten. Könnte man auch sagen, dass Sie ein kreatives Verhältnis zu Landschaften haben, und vielleicht auch zum Meer?

Oh ja. Ich finde Landschaften sind in ihrer Schönheit oft so bedrückend, man denkt man muss sie beschützen. So ähnlich wie es bei den Landschaftsbildern der Präraffaeliten war. In der Ausstellung in der Alten Nationalgalerie in Berlin war ich zutiefst berührt, weil diese Landschaftsbilder voller Wehmut waren. Die wurden gemalt zu einer Zeit, bevor die große Industriewelle durch England kam. Man wusste schon, diese Landschaft wird es morgen nicht mehr geben, dort wird eine Eisenbahnlinie langgehen, oder eine Fabrik wird gebaut. Mit dieser Wehmut betrachte ich oft Landschaften. Wie lange wirst du noch zu sehen sein, wie lange wird eine Küste noch eine Küste sein, das finde ich hat heute viel mit Wehmut zu tun. Mit diesen Abschiedsgedanken habe ich auch diese Kunst gemacht. „Eternal Love“ ist ja das Versprechen der ewigen Liebe, aber im Grunde gibt man sich dieses Versprechen schon im Moment des Abschieds.



     

Ihr Kommentar zum Thema:





« Zurück    Startseite ·  © Kühlungsborner Magazin 2017 Sitemap · Kontakt · Bildnachweise · Impressum