/media/skyscrappermodule/4/logo_hofmarkt.jpg

„So kann man leben…“ Im Interview mit Roger Willemsen

Ein Jahr lang besuchte Roger Willemsen zu jedem einzelnen Sitzungstermin den Deutschen Bundestag und verfolgte von der Tribüne aus das Geschehen. Keine Stunde war zu spät, kein Thema zu entlegen für den leidenschaftlichen Zeitgenossen. Was er beobachtete, das sind kleine Szenen an Nebenschauplätzen, große Debatten und Feierstunden, Situationen der Rührung, der Freude, des Schreckens sogar und des Protests. Anlässlich seiner Lesung trafen wir ihn im Grand Hotel Heiligendamm.

Stimmt es, dass hier in der Nähe eine Ihrer größten Arenen mit den meisten Zuschauern stand, vor denen Sie jemals aufgetreten sind?

Tatsächlich, das ist richtig. Ich habe 2007 in Rostock beim Gegengipfel zum G8-Treffen moderiert. Dabei standen Sarah Kuttner und ich auf einer Art Anhöhe, vor uns waren 80.000 Menschen und Demonstranten zu sehen, die sich bis zum Horizont erstreckten. Wir moderierten, interviewten und erreichten tatsächlich auch das Publikum. Irgendwann wird man dabei dann auch ganz gelassen. Danach wurden wir mit einem Boot weggefahren, auf dem ich übrigens Bono von U2 traf, der mich witzigerweise für einen Afghanistan-Experten hielt und entsprechende Fragen stellte.

Sind nicht Spaziergänge am Meer eine der besten Erholungen von der Schreibtischarbeit?

Beim letzten Besuch war ich aus privaten Gründen mit einer Freundin in Heiligendamm, die Sängerin ist und mit der es viel zu besprechen gab. Und wir hatten auf nichts so sehr Lust, als einfach am Meer entlang zu gehen und Lebensfragen zu besprechen, was dann auch exakt so geschehen ist. Aufpassen muss man nur bei den vielen Handys, die heutzutage in Aktion sind. Hat man ein bekannteres Gesicht und lebt eigentlich eher zurückgezogen, dann kann ein Strandspaziergang manchmal ganz schnell zu einer Kreuzfahrt werden (Lacht).

Welche Eindrücke haben Sie vom ersten deutschen Seebad?

Hier in Heiligendamm haben wir alle Fotos für die Buchkampagne „Die Enden der Welt“ geschossen, auch die Gegend weiter im Landesinneren erkundet und verschiedene Motive und Szenerien eingefangen. Insofern ist das hier für mich vertraute Landschaft. Was das Grand Hotel betrifft, fühle ich mich sehr privilegiert, hier zu sein. Denn eigentlich ist es fast ein bisschen zu schön, um wahr zu sein.

Falls Ihr aktueller Wohnsitz Hamburg eines Tages wegfällt: Könnten Sie sich vorstellen, hier an der Ostsee, mit Strand, Seebrücken und der Bäderarchitektur zu leben?

Ja, absolut, so kann man leben. Wenn ich von Zeit zu Zeit die Möglichkeit bekomme, in Metropolen aller Art zu reisen, dann könnte ich mir das sehr gut vorstellen. Ich bin ja auf dem Land groß geworden, und ich habe das Gefühl, man wird diese Sehnsucht nie ganz los, in das Einfachere zurück zu gehen.

     

Ihr Kommentar zum Thema:





« Zurück    Startseite ·  © Kühlungsborner Magazin 2017 Sitemap · Kontakt · Bildnachweise · Impressum