Baden im vorigen Jahrhundert

Die besonderen Reize eines Badeortes an der Ostsee laden zu Entspannung & Erholung ein, welche so in dieser Form im Alltag nicht immer möglich sind. Eine spezielle Art des Strandurlaubes, die ganze Familien vereint und sich generationenübergreifend großer Beliebtheit erfreute, lässt sich in den Sitten und Gebräuchen des vorigen Jahrhunderts finden.
Strandburgenbau, das war seinerzeit nicht einfach nur Amüsement, sondern wurde durchaus auch mit sportlichem Ehrgeiz betrieben und sogar von der Kurverwaltung in Arendsee und Brunshaupten prämiert. An schönen Sommertagen ließen sich im feinen Ostseesand Kinder, Mütter, Väter und Großeltern dabei beobachten, wie sie stundenlang mit Eimer und Schaufel bewaffnet kunstvolle Burgen, Wälle und Festungen errichteten. Dabei wurde nicht etwa in kleinen Maßstäben gedacht - nein, die phantasievollen Gebilde umgrenzten oftmals den eigenen Logierbereich am Strand, waren namentlich alten Königshäusern („Burg Hohenzollern“) oder historischen Bauten gewidmet und durften auch nicht viel kleiner als des Nachbars Besitztum sein. Verzierungen mit Wimpeln, Fähnchen oder Strandmuscheln und anderem Getier trugen ihr Übriges dazu bei, die Aufmerksamkeit der Badegäste oder unerkannt ermittelnder Vertreter der Gemeindeverwaltung auf sich zu ziehen, was zu guter Letzt durchaus zu einem Sieg im Strandburgen - Wettbewerb mit Urkunde, Siegerfoto und dem Ereignis gewidmeter Postkarte führen konnte. Man weiß ebenfalls, dass sogar die Geschäfte und Läden im Ort sich auf diese Passion eingestellt hatten und entsprechende Artikel und Souvenirs vorrätig hielten.
Der einzige Wermutstropfen war wohl der, dass schon nach wenigen Stunden Sonne, Wind und Wellen ihr Übriges taten und die feinsandigen Strandburgen der Witterung und dem Untergang weihten. Auch ist es um diese Tradition an deutschen Küsten etwas ruhig geworden, doch dies kommt wohl wiederum der heutigen strengeren Küstenschutzverordnung zugute, die dem Sand eine andere Aufgabe angedacht hat.




     

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